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TGA-PlanungBedarfsplanung TGA-PlanungFolge #248

tgabar · Bargespräche

Bedarfsplanung mit QFD

Folge 24827.09.202415:27 minRoman Fritsches, Sören Janson
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Auf den Punkt

Quality Function Deployment (QFD) ist eine Methode aus der Produktentwicklung (seit 1966), die Kundenbedürfnisse strukturiert auf technische Funktionen abbildet — im House of Quality. Für die TGA-Planung lassen sich Nutzerwünsche je Anlagengruppe sammeln, priorisieren und gewichten, um in der Bedarfsplanung zu erkennen, welche Gewerke die Nutzerbedürfnisse am stärksten beeinflussen.

Transkript

Worum geht es an der Bar — und was steht bei der tgabar an?

Roman: Herzlich willkommen an der Bar.

Sören: Moin Roman, was für ein Weg hierher. Ich bin hier fast auf dem Boden ausgerutscht. Du wirkst gestresst, was ist hier los?

Roman: Nein, ich bereite alles vor. Wir müssen wischen, alles klar machen, Stühle besorgen, der Eingangsbereich ist noch nicht geklärt, Schilder und Banner drucken. Die Konferenz am 17./18. Oktober ist keinen Monat mehr hin.

Sören: Darum geht es.

Roman: Sören, auch für dich würde ich immer wischen, aber für 80, 90, 100 Gäste umso lieber. Wir erwarten euch in Berlin am 17./18. Oktober zur ersten Konferenz der TGA. Die ersten 90 Einladungen sind per Post raus. Meldet euch schnell an, wenn ihr dabei sein wollt — auf tgabar.de unter Mitgliedschaft könnt ihr euch auf die Warteliste eintragen. Vier Wochen habt ihr noch Zeit.

Was ist Quality Function Deployment und woher kommt die Methode?

Sören: Setzen wir uns auf einen sicheren Barhocker und kommen zum eigentlichen Anliegen.

Roman: Wir wollten als Verein Wissenschaft, Forschung und Bildung unterstützen. Wir haben mal in der HCU ein Interview gemacht und letzten Sommer 300 Interviews geführt. Ein Jahr später will ich das mit Energie fortsetzen. Ich treffe mich nächste Woche mit einem Promovierenden von der Uni Kassel — Philipp —, der zum Thema Quality Function Deployment in der Baubranche promoviert.

Sören: Klingt nach einem neuen Tool fürs Projektmanagement.

Roman: Es ist eine Methode aus dem Projektmanagement, und das Witzige ist: Ich kenne sie schon aus dem Studium. So alt ist die. Sie kommt aus dem Maschinenbau, aus der Produktentwicklung. Ich glaube ohnehin, dass wir uns bei der Produktentwicklung umsehen sollten. Im Bau machen wir immer unser eigenes Ding, während im Maschinenbau seit Jahrzehnten Hightech-Methoden ausprobiert werden — auch in deutsch-japanischer Zusammenarbeit. Kanban etwa kommt aus der Automobilindustrie. Quality Function Deployment gibt es schon seit 1966.

Sören: Ehrlicherweise hast du mich erwischt — davon habe ich noch nie etwas gehört.

Roman: Das wird allen in der Branche so gehen. Deswegen freue ich mich umso mehr auf das Treffen mit Philipp. Ich habe ein Paper von ihm gelesen; im Ausblick stand, dass er diese Methode für die Baubranche erforschen möchte. Für den Maschinenbau ist das ein Thema, aber zur TGA-Planung passt es mega gut.

Wie funktioniert das House of Quality?

Roman: Am Ende wird ein House of Quality gebaut. Es geht um Qualitätsplanung — man könnte sagen, die Methode ist ein bisschen Lean. Das House of Quality fand ich schon im Studium total cool. Man fragt sich zuerst: Was sind die Bedürfnisse des Nutzers oder des Bauherrn? Und da sind wir beim Thema Bedarfsplanung — eine Riesenbaustelle für die TGA, weil wir oft gar nicht wissen, was die Nutzer eigentlich wollen, da sie nicht richtig befragt werden. Die Frage ist nicht nur, was du in der Sanitärtechnik willst, sondern: Was sind deine Wünsche an dieses Gebäude? Was soll es können? Warum bauen wir es überhaupt? Das ist der linke Teil des House of Quality.

Dann ordnet man dem technische Funktionen zu. Man macht eine Matrix auf und stellt den Bedürfnissen technische Funktionen gegenüber. Wie wäre es, oben Sanitär, Heizung, Lüftung, Elektro, Schwachstrom, Gebäudeautomation, Aufzüge, Küchen und so weiter einzutragen und sich dann zu fragen: Was möchte der Kunde? Der Bauherr hat vielleicht das Bedürfnis, möglichst günstig zu bauen, der Nutzer das Bedürfnis, möglichst langlebig zu bauen. Dann priorisiert man diese — auch widersprüchlichen — Bedürfnisse und ordnet sie den Funktionen zu. „Möglichst langlebige und günstige Sanitärtechnik" hieße zum Beispiel: Kunststoffrohre, dickwandiger oder dünnwandiger, je nachdem, ob günstiger oder langlebiger das größere Ziel ist. So findet man für jede Anlagengruppe Ausprägungen. Es geht ums Übersetzen von Kundenanforderungen auf unsere Anlagengruppen.

Roman: Der dritte Schritt: Man schaut, welche Systeme diese Bedürfnisse besonders stark erfüllen. Dann stellt man vielleicht fest, dass die Lüftungstechnik Priorität hat, weil sie besonders hohen Einfluss auf Baukosten und Langlebigkeit hat — und sieht, dass es eine besonders starke Beziehung zu den Nutzer- und Bauherrenwünschen gibt.

Was bringt QFD für die Bedarfsplanung in der TGA?

Sören: Es soll versuchen, das strukturiert und visualisiert aufzuarbeiten — ähnlich wie eine DIN —, um am Ende das Ziel des Gebäudes klarer benennen zu können.

Roman: Neu ist, dass wir Bedürfnisse je Anlagengruppe sammeln und sie in Beziehung zueinander setzen — also priorisieren und eine Zielhierarchie aufbauen, in der Ziele und Zielkonflikte herauskristallisiert werden. Man könnte noch weiter ins Detail gehen und etwa Trinkwasser-, Schmutzwasser- und Regenwasseranlage getrennt betrachten oder Wärmeerzeugung, Wärmeverteilung und Wärmeübergabe als getrennte Systeme. Daraus lässt sich ein riesiges Monster machen — der Witz ist, dass man am Ende die Erkenntnis zieht, welche Systeme die Nutzerbedürfnisse besonders stark beeinflussen. Interessant wäre auch, ob es zwischen den Funktionen Verknüpfungen gibt — ob etwa eine bestimmte Heizungstechnik besondere Anforderungen an die Gebäudeautomation stellt. Das müsste man ausprobieren.

Sören: Der Kern ist, möglichst dezidiert auf der einen Seite die Kundenwünsche und auf der anderen die technischen Erfordernisse aufzuarbeiten und transparent zu machen.

Roman: In welcher Leistungsphase würdest du das machen?

Sören: In der Bedarfsplanung ganz am Anfang — und dann über den weiteren Planungsprozess hinweg schauen, inwiefern man abweicht oder nachjustiert. Ein häufiger Stopper ist, dass sich Anforderungen nochmal ändern. Ich bin Fan einer einzigen Wahrheit: Wenn ich mir die Mühe mache, in fünf, sechs solcher Matrizen das aufzuarbeiten, kann ich immer darauf zurückgreifen und konkret benennen, wo Anpassungen vorgenommen werden müssen.

Wie lassen sich Änderungen und Erfahrungswerte einbeziehen?

Roman: Wir sind ja immer live an unseren Boards aktiv — auch an der Bar. Änderungen könnte man also visualisieren. Was in der Produktentwicklung zusätzlich gemacht wird: Nach der Priorisierung fragt man, was die Konkurrenz macht — gibt es ein Konkurrenzprodukt, das den Kundenwunsch besser erfüllt? Bei uns ist das weniger relevant, aber die Frage „Gibt es ein anderes Gebäude, das das besser erfüllt?" vielleicht schon.

Sören: Man kann die eigene Erfahrung einbringen und als Berater und Dienstleister sagen: Das ist zwar dein Wunsch, aber aus unserer Erfahrung spricht dies oder jenes dafür, es anders und besser zu machen.

Roman: Genau — Erfahrungen aus anderen Projekten gegenüberstellen und zeigen, wo ein Gebäude einen Wunsch gut oder schlecht erfüllt hat, und entsprechend empfehlen. Das könnte eine coole Hilfestellung in der Bedarfsplanung sein. Ich hatte erst an Leistungsphase 2 gedacht, aber das passt nicht: In Leistungsphase 2 stellt man Varianten gegenüber, das hat man hier nicht. Hier versucht man, in den Anlagengruppen die Kundenbedürfnisse darzustellen, zu priorisieren und mit Erfahrungen aus anderen Projekten gute Entscheidungen zu treffen. Das klingt komplex, aber sinnvoll — gerade für die TGA, weil die Gewerke so vielfältig sind.

Wie geht es mit QFD bei der tgabar weiter?

Roman: Es geht um Wünsche, die der Nutzer oder Bauherr teils gar nicht formuliert, bei deren Formulierung wir aber helfen müssen. In 20, 25 Jahren muss die TGA wahrscheinlich wieder raus — ob die Wärmepumpe dann noch die Technologie der Wahl ist, weiß keiner. Solche künftigen Bedürfnisse müssen wir annehmen.

Ich würde es gerne ausprobieren, habe aber gerade keine Bedarfsplanung auf dem Tisch. Ich würde mich freuen, wenn Zuhörerinnen und Zuhörer sich melden und die Methode in ihrer nächsten Bedarfsplanung testen wollen — und noch schöner wäre, wenn wir damit zusammen mit Philipp seine Promotion mit echten Praxisfällen unterstützen könnten. Inzwischen sind 90 Mitglieder an der Bar: 90 Unternehmen und Privatpersonen, viele Projektleitende, die die Methode mal ausprobieren könnten — vielleicht auch in der Generalplanung gemeinsam mit der Architektur.

Sören: Stimmt, wieder was gelernt heute. Wer Interesse hat, gerne Kontakt aufnehmen.

Roman: Wir beobachten das weiter und versuchen, Methoden wie diese auszuprobieren. Sören, gönn dir noch ein Bierchen — ich muss noch ein bisschen putzen.

Häufige Fragen zu dieser Folge

Was ist Quality Function Deployment (QFD)?

QFD ist eine Methode aus der Produktentwicklung im Maschinenbau, die es seit 1966 gibt. Sie übersetzt Kundenbedürfnisse strukturiert in technische Funktionen. Das zentrale Werkzeug ist das House of Quality, in dem Nutzerbedürfnisse den technischen Funktionen in einer Matrix gegenübergestellt werden.

Woher stammt QFD und in welchen Branchen ist es etabliert?

QFD stammt aus der Produktentwicklung des Maschinenbaus, wo seit Jahrzehnten solche Methoden — auch in deutsch-japanischer Zusammenarbeit — erprobt werden. In der Baubranche ist die Methode bislang kaum bekannt; ein Promovierender der Uni Kassel erforscht ihre Anwendung im Bauwesen.

Was ist das House of Quality?

Das House of Quality ist das zentrale Werkzeug von QFD. Auf der linken Seite stehen die Bedürfnisse von Nutzer und Bauherr, oben die technischen Funktionen. In einer Matrix wird zugeordnet und gewichtet, welche Funktionen welche Bedürfnisse wie stark erfüllen, sodass Prioritäten und starke Beziehungen sichtbar werden.

Wie lässt sich QFD auf die TGA-Planung übertragen?

Oben in die Matrix trägt man die Anlagengruppen ein — Sanitär, Heizung, Lüftung, Elektro, Schwachstrom, Gebäudeautomation, Aufzüge, Küchen. Links stehen die Kundenbedürfnisse wie günstig oder langlebig bauen. Man priorisiert die Bedürfnisse, ordnet sie den Anlagengruppen zu und erkennt, welche Gewerke die Nutzerbedürfnisse am stärksten beeinflussen.

In welcher Leistungsphase setzt man QFD ein?

QFD gehört in die Bedarfsplanung ganz am Anfang und wird über den weiteren Planungsprozess fortgeschrieben. Nicht in Leistungsphase 2, weil man dort Varianten gegenüberstellt — das leistet QFD nicht. QFD dient als eine Art einzige Wahrheit, auf die man bei Änderungen der Anforderungen zurückgreifen kann.

Welchen Nutzen verspricht QFD für die Bedarfsplanung?

QFD strukturiert und visualisiert das komplexe Thema Bedarfe: Kundenwünsche auf der einen, technische Erfordernisse auf der anderen Seite werden dezidiert und transparent aufgearbeitet. Das hilft, das Ziel eines Gebäudes klarer zu benennen, Zielkonflikte zu erkennen und auch unausgesprochene oder künftige Nutzerbedürfnisse zu berücksichtigen.

Zitate

Quality Function Deployment gibt es schon seit 1966."

Roman Fritsches

Bedarfsplanung ist eine Riesenbaustelle für die TGA — wir wissen oft gar nicht, was die Nutzer eigentlich wollen, weil sie nicht richtig befragt werden."

Roman Fritsches

Es geht darum, das Was und das Wie in Korrelation zu bringen und auszuarbeiten."

Roman Fritsches

Zahlen & Fakten

Quality Function Deployment (QFD) gibt es bereits seit 1966.

Die tgabar hat im vergangenen Sommer 300 Interviews geführt.

Quelle: Roman Fritsches

Die tgabar hat inzwischen 90 Mitglieder (Unternehmen und Privatpersonen); 90 Einladungen zur ersten TGA-Konferenz sind per Post verschickt worden.

Quelle: Roman Fritsches

Die erste Konferenz der TGA findet am 17./18. Oktober in Berlin statt.

Glossar

Bedarfsplanung
Phase ganz am Anfang der Planung, in der die Wünsche und Bedürfnisse von Nutzer und Bauherr an das Gebäude erhoben werden; laut Folge eine Riesenbaustelle für die TGA, weil Nutzer oft nicht richtig befragt werden.
House of Quality
Matrix-Werkzeug von QFD: links die Nutzer-/Bauherrenbedürfnisse, oben die technischen Funktionen; die Zuordnung zeigt, welche Funktionen welche Bedürfnisse am stärksten erfüllen.
Quality Function Deployment (QFD)
Methode aus der Produktentwicklung (seit 1966), die Kundenbedürfnisse strukturiert auf technische Funktionen abbildet; zentrales Werkzeug ist das House of Quality.
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