TGA-Planung › Folge #242
tgabar · BargesprächeBaggern an der Bar
Die tgabar e.V. öffnet sich für CAD- und Produkthersteller als Sponsoren, um Win-Win-Partnerschaften zu schaffen. Die Hersteller erhalten über Lead-User-Gruppen echtes Anwender-Feedback und Zugang zu einer gemeinsamen Schulungsplattform; die planenden Mitglieder profitieren vom Austausch. Werbung in den Lounges, Datennutzung und das Abwerben von Mitarbeitenden sind dabei strikt verboten.
Transkript
Worum geht es in der Folge „Baggern an der Bar"?
Roman: Herzlich willkommen in der TGA-Bar. Wir sind heute zu dritt hier. Sören und ich haben Berker eingeladen — Berker Yilmaz vom CAD-Systemplanungs- und Unterstützungspartner an der TGA-Bar. Wir haben ein Thema mitgebracht, bei dem wir froh sind, dass du dabei bist, weil du aus verschiedenen Ebenen darauf schauen kannst. Die Folge heißt „Baggern an der Bar": Wir haben uns gefragt, wie wir mit Software- und Produktherstellern umgehen, die gerne an uns baggern. Wir sind neutrale System- und Fachplaner.
Roman: Wir sind neutral, aber auch in gewisser Form Kunden, weil wir Software-Produkte nutzen. Und es gibt einen zweiten Punkt, an dem wir Produkte im Zweifelsfall nach vorne bringen — vor allem bei privaten Auftraggebern, bei öffentlichen nur mit vielen Umwegen.
Berker: Wir sind die Vermittler.
Roman: Wir sind irgendwo dazwischen — Mitentscheider. Jetzt haben wir uns gefragt, wie wir mit den Herstellern umgehen, die wir tatsächlich brauchen und als Unterstützung benötigen, gerade die Software-Hersteller. Wir brauchen euch, wir mögen euch, wir kämpfen auch mit euren Produkten — aber ohne euch geht es nicht. Wir können heute nicht mehr von Hand zeichnen. 70 Leute am Reißbrett werden nichts liefern.
Berker: Tatsächlich ist es so: Weder Hersteller noch CAD-Anbieter können ohne uns, und wir nicht ohne sie. Es ist wichtig, dass wir an der TGA-Bar gemeinschaftlich eine Plattform schaffen, auf der wir uns austauschen, voneinander profitieren und uns gemeinsam nach vorne bringen können. Das ist Ziel und Zweck der ganzen TGA-Bar-Gestaltung.
Wie ist die TGA-Bar aus dem Austausch mit Softwareherstellern entstanden?
Roman: Mir fällt gerade ein, dass der Ur-Ursprung der TGA-Bar aus der gemeinsamen Beförderung eines Software-Herstellers kam. Sören und ich haben uns in so einem Kreis kennengelernt.
Sören: Aus dem Austausch mit einem solchen.
Roman: Wir haben uns gemeinsam damit beschäftigt, wie wir Trimble Nova Richtung BIM verbessern. Wir haben uns rund drei Jahre lang mit mehreren Planungsbüros getroffen — vor der digitalen Zeit, also bis vor 2020, in Präsenz, bei Pink Ingenieure und bei Emutech. Wir haben uns hingesetzt und überlegt, wie wir die Software Richtung BIM und in der Funktionalität verbessern. Das 2D-3D-Parallel-Arbeiten war total kompliziert, Einstrich-Schemen wurden aufgepumpt, hatten aber keine Berechnungsfunktionalität — all die Problemchen, die wir kennen.
Sören: Es wurde vom Hersteller auch genutzt, zu hinterfragen, wo die Schmerzpunkte in der Planung sind, was besser funktionieren muss und was überhaupt nicht funktioniert.
Roman: Oder was gut ist — das behalten und ausbauen wir. Das hat einen Begriff in der Fachwelt: Lead-User-Gruppe. Wir waren eine Gruppe fortgeschrittener Nutzer, die das Produkt aus eigenem Antrieb verbessert haben, weil ein Wechsel der Software für uns umständlich gewesen wäre.
Warum brauchen CAD-Anbieter und Verein einander?
Berker: Da sind wir am Punkt: Wofür brauchen wir die CAD-Anbieter an der TGA-Bar und sie uns? End-User-Feedback ist das wichtigste Gut für die CAD-Anbieter, gerade zur Optimierung von Software, Produkten und Prozessen im laufenden Betrieb. Das ist sehr viel wert — auch für die Anwender, damit sie besser, schneller und effizienter ans Ziel kommen, ohne Systemabstürze kurz vor der Abgabe.
Berker: Das gilt nicht nur für Trimble, sondern auch für Revit, Linear, Solar, Auxalia und so weiter. Wir wollen uns gemeinschaftlich austauschen und den Content auf dem Markt verbessern — zum Beispiel über die Happy Hours, die wir dieses Jahr schon zum Teil moderiert haben. So erleichtern wir uns gegenseitig das Leben.
Roman: Ich bin total geflasht davon, das wieder zu tun. Ich habe diese Lead-User-Treffen drei Jahre moderiert — und schon in meiner Diplomarbeit solche Treffen mit Kraftwerken gemacht, was etwas schräg war. Es gibt bestimmte Workshop-Methoden, um Dinge herauszukriegen und Produktinnovationen zu entwickeln. Eine Idee: aus der Zeichenverwaltung anonym und nicht personenbezogen bestimmte Nutzungszeiten an Bauteilen erfassen, um zu sehen, wo es hängt — liegt es an einer fehlenden Schulung, an der Software oder an Kompetenz? Mit 100 Büros und 1000 Power-Usern und guter Moderation können wir tolle Sachen entwickeln.
Sören: Oder andersherum: Die Hersteller bekommen die Chance zu sagen, woran sie gerade arbeiten — ein Sneak Peek auf den nächsten Planungs- oder Integrationsschritt — und holen sich frühzeitig Feedback zur Sinnhaftigkeit einer Anpassung. Das funktioniert in beide Richtungen.
Berker: Vor allem auch Feedback von einem Verein wie der tgabar. Wir sind mittlerweile ein Verein und bekommen immer mehr Mitglieder, sodass man auf einen Schlag Zugang zu Mitgliedern aller Lizenzmodelle und Anbieter hat — nicht nur zur eigenen Kundendatenbank. Das ist viel wert.
Roman: Und vor allem von den richtigen Usern. Bei zufälligen Lead-User-Runden sitzen manchmal Geschäftsführer ohne Ahnung von Systemplanung oder Leute, die nur ein Gewerk kennen und nicht in Effizienzdimensionen denken. Wir können genau die richtigen User liefern.
Welche Rolle spielt die Bildung für die Hersteller?
Sören: Einen wichtigen Aspekt haben wir noch nicht betrachtet: Neben der Software gibt es auch beim Thema Bildung eine wichtige Schnittmenge, bei der wir eine Plattform für Hersteller sein können — beim Thema Fortbildung.
Berker: Wichtig ist, dass nicht nur Geschäftsführer, sondern gerade die technischen Systemplaner und Planenden in der TGA aktiv an den Happy Hours teilnehmen, weil dort viel Content, Information und Austausch stattfindet. Man sollte eine gemischte Runde haben, um das beste Feedback zu hören.
Roman: Dafür haben wir die Lounge Lounge Smarter Planen — die Ziellounge für diese Mitglieder und Richtung Bildung.
Berker: Wir wollen unser Weiterbildungsprogramm für die End-User und Vereinsmitglieder gut darstellen. Auch die Hersteller müssen ihre Weiterbildungsprogramme an die User bringen. Eine mögliche Idee — noch nicht zu Ende gedacht — ist eine zentrale Weiterbildungsplattform an der TGA-Bar, auf der die Hersteller ihre Programme abbilden können. Denn das größte Problem ist heute: Wenn ein Mitarbeiter sich fortbilden möchte, weiß er nicht, was es alles gibt.
Roman: Es gibt sehr viel, gerade in der Softwareentwicklung. Die Leute schicken sich ihre Videos hin und her; alles ist online, aber schwer zu finden und oft nicht gut in der Übersicht dargestellt. Da können wir vielleicht helfen.
Berker: Auf der TGA-Bar-Plattform könnte man zentral filtern — etwa nach dem Gewerk Heizungstechnik — und bekäme alle Anbieter zum Thema, statt sich durch das Internet zu recherchieren.
Roman: Vielleicht gibt es auch Kernthemen: In der Sanitärtechnik etwa, wie man eine Vorwand plant, aber auch, welche Vorwand-Installationssysteme es gibt und wie die Montage funktioniert. Erst ein Montagevideo anschauen, dann in die Systemplanung einsteigen — das ist mein Traum von selbstständiger Azubi-Aktivität in der Systemplanung.
Berker: Leider sind es zu wenige. Ein maßgebliches Ziel unserer Ausbildung ist, die Ausbildung der technischen Systemplaner wertig und nachhaltig zu verbessern und mehr praxisorientierte Weiterbildungsprogramme anzubieten. Aus der Happy Hour kam auch das Feedback nach überbetrieblichen Ausbildungsthemen. Ein Monat Praktikum auf der Baustelle reicht nicht — da gehört viel mehr dazu.
Roman: Dazu kommt das Herstellerunabhängige: Wir wollen nicht nur einen Hersteller und ein Softwareprodukt, sondern alle, die für uns relevant sind. Bei der CAD-Software sehe ich Licht am Ende des Tunnels — da gibt es vielleicht acht oder zehn Hersteller, für die wir gemeinsame Schulungsplattformen aufsetzen können. Beim Thema Produkte wird es anstrengend, weil die Systeme ständig aktualisiert werden und kaum aktuell zu halten sind.
Sören: Genau deswegen betreiben wir das und haben uns dem Thema geöffnet, es grundsätzlich für den Verein zugänglich zu machen, weil die Vorteile für jeden gelten — gegenüber dem, was an deiner Stelle mit Risiko verbunden ist.
Wie regelt die tgabar Sponsoring und Herstellerunabhängigkeit?
Roman: Das eine Risiko, das über uns schwebt, ist die Herstellerunabhängigkeit. Bei den Softwareherstellern haben wir damit kein Problem, weil sie uns Software liefern, mit der wir arbeiten — damit sind wir produktunabhängig. Es ist nur die Frage, wie produktunabhängig, gerade wenn man sieht, welche Produkte die Softwarehersteller in ihre Planung integrieren und welche nicht — eine Form von Industriepolitik. Bei den Produktherstellern wird es schwieriger.
Roman: Wichtig sind uns die CAD-Softwarehersteller, die wir als besondere Mitglieder an die TGA-Bar bringen wollen — ich nenne sie ordentliche Sponsoren. Systemplanungsbüros sind ordentliche Mitglieder mit dem üblichen Beitrag, derzeit 1200 Euro im Jahr. Mit den Herstellern machen wir stattdessen einen individuellen Sponsoring-Vertrag mit höherem Beitrag, bieten dafür aber den Austauschvorteil: Sie bekommen Lead-User, können die richtigen Leute ansprechen und kommen auf eine gemeinsame Schulungsplattform. Sie dürfen an den Lounges und Bars komplett mitarbeiten — das ist uns wichtig.
Berker: Das Sponsoring ist auf ein Jahr befristet, danach wird neu gesprochen. Zum Sponsoring-Vertrag gibt es optionale Pakete, die dazugebucht werden können, aber nicht müssen — individuell vereinbart mit jedem Sponsor, ob CAD-Anbieter oder Produkthersteller.
Roman: Die Idee ist, den Vorteil für die Bar und die Mitglieder nicht aus den Augen zu lassen. Wir wollen keine Werbung in den Lounges — das schreiben wir in die Verträge. In den Lounges ist die Arbeit der TGA- und Systemplanenden gewünscht, keine Produktwerbung. In der Vergangenheit gab es schwierige Situationen, in denen Einzelne in einer Happy Hour Werbung für ihr Produkt gemacht haben — das nervt die Mitglieder und wollen wir vermeiden.
Roman: In den optionalen Paketen weisen wir es dann ganz bewusst aus: Diese Happy Hour ist heute von Hersteller XY, der eine neue Software-Idee vorstellen will. Das machen wir mit maximaler Transparenz, und dafür zahlen sie extra. Das Baggern an der Bar kostet also Geld. Was wir nicht wollen, ist intransparente Werbung in den Lounges. Die Mitgliedsdaten dürfen nicht genutzt werden, um Spam zu verschicken — das ist verboten. Besonders verboten ist das Abwerben von Mitarbeitenden: Wenn Hersteller auf unsere Mitarbeitenden zugehen und sie abwerben, folgt der sofortige Rausschmiss aus der Bar; der Beitrag wird einbehalten.
Berker: Die Barkeeper und Loungeleitenden haben genau die Funktion, das zu beobachten und zu verfolgen, damit solche Grenzüberschreitungen nicht passieren. Wir wollen eine neutrale Plattform bleiben, aber dafür sorgen, dass alle voneinander maximalen Vorteil in den entsprechenden Rahmenparametern bekommen.
Roman: Also: Austausch befördern, aber keine Werbung, die uns nervt.
Was ist für die Azubi-Ausbildung geplant?
Roman: Wir haben noch das Thema Produkthersteller und die Schulungsplattform in Arbeit. Wir hatten uns vorgenommen, uns nächstes Jahr mit den Azubis und deren betrieblicher Ausbildung zu beschäftigen, also 2025 ein Schulungsprogramm aufzusetzen. Wir haben in der Happy Hour schon Themen gesammelt und sie nach Lehrjahren und Themengebieten sortiert — technisch, CAD-seitig und Soft Skills.
Berker: Wir haben drei Gruppen geschaffen. Es geht auch um einfache Dinge, die heute nicht mehr selbstverständlich sind: Wie telefoniere ich richtig? Wie ist der Umgang im Büro, intern und extern? Auch Software-Schulung wie O365 — wie nutze ich Teams und Outlook effizient? Das sind wichtige Instrumente und Skills für Auszubildende. Wir haben das über die vier Lehrjahre strukturiert und in den Bereichen CAD/Systemplanung sowie TGA-Fachwissen Themen gesammelt, nach Lehrjahren sortiert und gewichtet, ob es Basis- oder Spezialwissen ist. Darauf basierend wollen wir nach und nach ein Weiterbildungsprogramm für die Auszubildenden schaffen, um sie im ersten Lehrjahr gut zu onboarden.
Roman: Und ich träume noch von einer jährlichen Azubi-Konferenz, vielleicht live-hybrid — ein Barcamp 2.0. Das wird aber eher etwas für 2026. Eins nach dem anderen: erst das Barcamp und die Konferenz im Oktober dieses Jahres.
Roman: Kurze Zusammenfassung: Wir wollen die Softwarehersteller und -entwickler mit den richtigen Lead-Usern zusammenbringen, um Produkte zu verbessern und neu zu entwickeln. Wir treiben eine gemeinsame Schulungsplattform voran, die Spezialistenwissen für die Allgemeinheit greifbar macht — vielleicht integriert mit TGA-Produkten, sodass man Software und TGA in einem schnell erlernen kann, als Azubi oder Quereinsteiger. Und das treiben wir weiter in die praxisorientierte, überbetriebliche Ausbildung. Die Sponsoring-Verträge sollen Austausch befördern und Werbung verhindern — außer eben transparent: Diese Happy Hour ist für dieses Produkt, und wer Lust hat, ist dabei.
Sören: Wie an jeder Bar: Austausch und Kommunikation sind willkommen, Stressmacherei nicht. In dem Sinne, Berker, vielen Dank, dass du da warst — eine gelungene Premiere. Auf das nächste Gespräch, Themen haben wir genug.
Berker: Ich freue mich drauf. Bis bald.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Warum öffnet sich die tgabar e.V. für Sponsoren?
Der Verein will Win-Win-Partnerschaften mit CAD- und Produktherstellern schaffen. Die Hersteller erhalten echtes End-User-Feedback über Lead-User-Gruppen und Zugang zu einer gemeinsamen Schulungsplattform, die planenden Mitglieder profitieren vom Austausch und von besserer Software.
Was ist eine Lead-User-Gruppe?
Eine Gruppe fortgeschrittener Anwender, die ein Produkt aus eigenem Antrieb verbessert. Die Hosts haben rund drei Jahre solche Treffen mit mehreren Planungsbüros moderiert, um die CAD-Software Trimble Nova Richtung BIM weiterzuentwickeln.
Welche Regeln gelten für Sponsoren in der tgabar?
Sponsoren schließen einen individuellen, auf ein Jahr befristeten Vertrag mit höherem Beitrag und dürfen in Lounges und Bars mitarbeiten. Verboten sind Produktwerbung in den Lounges (außer transparent ausgewiesen in optionalen Paketen), die Nutzung von Mitgliedsdaten für Spam und das Abwerben von Mitarbeitenden — Letzteres führt zum sofortigen Ausschluss.
Zitate
„End-User-Feedback ist das wichtigste Gut für die CAD-Anbieter."
— Berker Yilmaz
„Das Baggern an der Bar kostet dann Geld."
— Roman Fritsches
„Austausch befördern, aber keine Werbung, die uns nervt."
— Roman Fritsches
Zahlen & Fakten
Der reguläre Mitgliedsbeitrag für Systemplanungsbüros beträgt derzeit 1200 Euro im Jahr.
Quelle: Roman FritschesDie Hosts haben sich rund drei Jahre lang mit mehreren Planungsbüros getroffen, um die CAD-Software Trimble Nova Richtung BIM zu verbessern (vor 2020, in Präsenz).
Quelle: Roman FritschesGlossar
- Lead-User-Gruppe
- Gruppe fortgeschrittener Anwender, die ein Produkt aus eigenem Antrieb verbessert und dem Hersteller End-User-Feedback liefert.
- Sponsoring-Vertrag
- Individueller, auf ein Jahr befristeter Vertrag für Hersteller mit höherem Beitrag als der reguläre Mitgliedsbeitrag, der Mitarbeit in Lounges und optionale Zusatzpakete umfasst.